Verein für Heimatkunde Schwelm e.V.

Stellungnahme des Vereinsvorstands zu Neubauplänen der Stadt Schwelm

Der Vorstand setzt sich dafür ein, gewachsene Natur und Landschaft in Schwelm zu schützen.

Zur Bebauung vorgesehene Wiese oberhalb des Gymnasiums

Zur Bebauung vorgesehene Wiese oberhalb des Gymnasiums

Ein ökologisch wertvoller Naturraum mitten in Schwelm

Ein ökologisch wertvoller Naturraum mitten in der Stadt

Als Vorstand des Vereins für Heimatkunde Schwelm e.V. wenden wir uns gegen die geplante Bebauung am Rand der Schwelmer Altstadt. Unser Verein hat sich, seiner Satzung entsprechend, seit den Anfängen im frühen 20. Jahrhundert für den Erhalt der Kultur- und Naturlandschaft Schwelms eingesetzt. Dazu zählt auch der (Stadt-) Klimaschutz. Alle diese Aspekte werden aktuell durch die Pläne der Stadt Schwelm gefährdet, ein Neubaugebiet für Einfamilienhäuser im Bereich von Gymnasium, Ehrenberger Straße und Göckinghof einzurichten. Diese Fläche ist für Schwelm von besonderem Wert, da sie unmittelbar an die Altstadt angrenzt und mit der Geschichte der Stadt ebenso wie mit deren Natur, Ökologie und Ortsklima eng verwoben ist.

Seit alters liegen in diesem Gebiet die Gärten der Stadtbewohner. Wie vor 300 Jahren ist noch immer die historische Struktur einheitlicher Bürgerparzellen erkennbar, die von der Stadtmauer aus (heutige Obermauerstraße) mit Stichwegen erschlossen wird. Diese Gartenfläche kann heute als besonders wertvoll gelten, da viele der alten Gärten aufgegeben sind und im gleichen Maß an ökologischer Bedeutung gewonnen haben. Zwischen Bäumen, dichten Hecken und Wildwuchs bietet sich hier ein Naturerlebnis, das – mitten in der Stadt – einzigartig ist. Die Fläche verdient Aufwertung und Würdigung, nicht Zerstörung und Überbauung.

Höhepunkt des Gebietes ist eine große Wiese direkt oberhalb des Gymnasiums. Ihre Lage, Form und Schönheit ist überwältigend. Der erkennbare Wasserlauf eines Siepens, wie er für Schwelms Berghänge typisch ist, harrt hier darauf, renaturiert zu werden. Es ist ein Ort, Natur zu erleben und zu verstehen, nicht nur für Schüler des Gymnasiums, ebenso für alle Schwelmer. Von der Altstadt ist es hierher nur ein Spaziergang von wenigen Minuten. Wollte man diesen prächtigen und lehrreichen Naturraum jetzt wirklich sang- und klanglos unter Einfamilienhäusern, Garagen und Erschließungsstraßen verschwinden lassen? Es wäre eine beispiellose Gedankenlosigkeit und Kurzsichtigkeit.

Nicht minder wertvoll ist die Bedeutung der alten Gartenfläche als Frisch- und Kaltluftquelle für die Innenstadt. Parks und Gärten zu schaffen und zu erhalten, gilt heute als wirksamste Strategie gegen die Sommerhitze. Es ist ein Glücksfall für Schwelm, eine so große, zusammenhängende und völlig unversiegelte Grünfläche am Rand der Innenstadt zu haben, auch noch in direkter Anbindung an die Wälder und Wiesen des oberen Ehrenbergs. Die kühle Luft, die hier ständig produziert und transportiert wird, trägt der vorherrschende Westwind zuletzt in den erhitzten Stadtkern hinüber. Wie könnte die Schwelmer Politik verantworten, diese wertvolle Ventilation der Innenstadt einem Neubaugebiet zu opfern?

Als Heimatkundeverein erinnern wir gut, wie in den siebziger Jahren einmal Teile der Stadtverwaltung den Abriss des Hauses Martfeld befürworteten. Man schmähte es als „alte Kafitte“. Heute wissen wir, welchen Verlust wenige engagierte Bürger mit ihrem Protest damals abzuwenden halfen. Auch jetzt wehren sich wieder engagierte Bürger gegen eine unverantwortliche und gedankenlose Politik des Abrisses und der Zerstörung, in diesem Falle eines wertvollen Naturraums. Als Verein für Heimatkunde Schwelm schließen wir uns diesem Protest an. Denn Heimat ist für uns nicht ein Neubaugebiet.

Verein für Heimatkunde Schwelm e.V.

Der Vorstand

 

Schwelm, den 24. Juli 2026