Dr. Emil Böhmer

Dr. Emil Böhmer (1884-1966)
Wer kann sich noch an den Namen Dr. Emil Böhmer erinnern? Sicherlich nicht nur diejenigen Bürger, die in früheren Jahren eng mit der Geschichte des Vereins für Heimatkunde und des Heimatmuseums verbunden waren. Zu seinem 70. Geburtstag zeichnete ihn die Stadt Schwelm am 15. April 1954 mit der Ehrenbürgerwürde aus. Die Liste seiner heimatkundlichen Veröffentlichungen und seines Engagements für das 1890 gegründete Museum Schwelm ist lang. Über eine Zeitspanne von 50 Jahren war er aktiv als Heimatforscher, Heimatpfleger, Autor heimatkundlicher Schriften, Leiter des Vereins für Heimatkunde, des Museums und des Stadtarchivs.
Dr. Emil Böhmer wurde am 15. April 1884 in Elberfeld geboren. Als junger Mann studierte er in Halle, München und Marburg Deutsch, Englisch und Geschichte und promovierte über Sprach- und Siedlungsgeschichte in Marburg. Zunächst arbeitete er 1910-1912 als Gymnasiallehrer in Elberfeld, dann von 1912 bis 1948 als Oberlehrer, später Studienrat, am Gymnasium in Schwelm.
Schon 1913 widmete er sich dem Schwelmer Stadtarchiv und leitete dieses bis 1960. 1923 wurde er zum Vorsitzenden des Vereins für Heimatkunde gewählt. In der Zeit der wirtschaftlichen Krisen in den 1920er Jahren, des Nationalsozialismus, des 2. Weltkriegs und des Wiederaufbaus wurde Dr. Emil Böhmer enorm viel zur Fortführung des Vereins und zur Sicherung des Museumsbestands abverlangt.
Besonders schwierig war die Phase, als Hitler und seine Schergen das Feld „Heimat“ zur Beförderung ihres ideologischen Katalogs okkupierten und die Heimatbewegung in den Dienst ihrer verbrecherischen Ziele stellten. In diesem Sinne wollten sie auch über den Verein verfügen, jedoch gelang es Dr. Emil Böhmer, den Vorsitz des Vereins für Heimatkunde dem Zugriff der Nationalsozialisten zu entziehen. Er blieb Vorsitzender, obwohl er nicht der NSDAP angehörte, und verfolgte weiterhin die Ziele des Vereins, Heimatkunde zu verbreiten und das Museum zu betreuen. So konnte die heimatkundliche Arbeit mit gleicher Qualität und ohne nationalsozialistische Akzente fortgeführt werden, was seine zahlreichen Schriften belegen.
Gerd Helbeck beschrieb die Situation von 1937 als den „Treppenwitz des Jahrhunderts“, dass ausgerechnet die Nationalsozialisten endlich dem Bestand an Mobiliar, Alltags- und Arbeitsgegenständen, Akten und Bildern ein richtiges Museum (an der Schulstraße) zur Verfügung stellten, so dass die Sammlung erstmalig in ihrer Geschichte in geeigneten Räumen untergebracht werden konnte. 1938 gingen Museumsbestand, Bibliothek und Archiv aus dem Besitz des Vereins für Heimatkunde an die Stadt Schwelm über, Böhmer blieb aber Museumsleiter. Durch Auslagerung des Bestands in verschiedene Lager und Keller überstand das Museumsgut den Krieg. Erst nach 1945 setze langsam die Vereinsarbeit wieder ein. 1947 wartete der Verein erstmalig wieder mit einem ansehnlichen Programm auf.
Neben seinem Einsatz für Verein und Museum war Dr. Emil Böhmer auch überaus engagiert im Westfälischen Heimatbund. Böhmer, so Helbeck, war neben dem Gründer des Vereins und des Museums, Dr. Wilhelm Tobien, der bedeutendste Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde. Er starb am 27. Februar 1966.


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